Das Thema Darmflora ist bei den meisten Gesundheitsproblemen absolut essenziell. Besonders bei Neurodermitis kann es man nicht umgehen. Das beste Buch, das ich zu diesem Thema gelesen habe, ist Der gute Darm: Was er wirklich braucht, um uns gesund zu erhalten. Das Neueste aus der Mikrobiom-Forschung von Justin & Erica Sonnenburg (auf Englisch Gut Reactions) und ich kann es nur empfehlen. Hier möchte ich das ganze Thema zusammenfassen, euch ein paar Tipps geben und vielleicht sogar motivieren, weitere Literatur zu dem Thema auszusuchen.

Buch: Der gute DarmWas ist Darmflora?

Stellen Sie sich vor, dass in Ihrem Darm viele andere Lebewesen leben. Wie fühlt es sich an?!

Als Darmflora werden Mikroorganismen bezeichnet, die in unserem Darm leben. In unserem Verdauungstrakt befinden sich Trillionen von guten, freundlichen Bakterien. Die meisten sind im Dickdarm zu finden. Mit ihrer Anzahl überschreiten sie die Anzahl von Zellen im Körper. Ihre Beziehung zum Wirtsorganismus bezeichnen die Wissenschaftler als beidseitig günstig. Wir stellen den Darmbakterien einen Ort fürs Überleben und auch ihre Nahrung zur Verfügung, sie tun für uns eine Reihe nützlicher Sachen.

Mikrobiom: Die Ergänzung unserer DNA

Die Zusammensetzung der Darmflora ist – ähnlich wie ein Fingerabdruck – spezifisch für jeden Mensch. Jeder Organismus unserer Darmflora hat seinen eigenen genetischen Kode – Genom. Der Gesamtsatz aller Gene der Darmflora wird als Mikrobiom genannt. Unser Mikrobiom zählt 3–5 Millionen Gene, die unsere DNA ergänzen. Man könnte fast sagen, dass der Mikrobiom zusammen mit der DNA bestimmt, wer wir sind. Der Vorteil des Mikrobioms ist es, dass wir ihn auch während des Lebens bis zu einem gewissen Maß beeinflussen können. Es ist möglich, ihn so zu adaptieren, dass wir unsere Gesundheit behalten.

Bedeutung unserer Darmflora

In den letzten Jahren wird in diesem Gebiet intensiv geforscht und die Darmflora wird immer häufiger in Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen, Krebs, neurologischen Erkrankungen und anderen Beschwerden erwähnt. Wieso sind aber die Mikroorganismen in unserem Darm so wichtig?

Die Darmbakterien spalten unverdauliche Reste der Nahrung auf Stoffe, die von dem Darm absorbiert werden können. Sie beeinflussen den Metabolismus und ermöglichen, dass der Körper das Maximum aus der Nahrung nutzt. Zum Beispiel übergewichtige Menschen haben eine unterschiedliche Darmflora als schlanke Menschen. Während des Lebens ändert sich die Darmflora – zum einen abhängig von der Ernährung und des Lebensstils, zum anderen als Folge hormoneller und physiologischer Änderungen (z. B. während der Schwangerschaft).

Die Darmbakterien scheiden eine Menge Stoffe aus, die die physiologische Prozesse im Körper beeinflussen. Einige von diesen Chemikalien kommunizieren sogar direkt mit dem Gehirn. Der Darm wird deswegen manchmal auch als „das zweite Gehirn“ bezeichnet. Durch diese Aktivität regulieren die Mikroorganismen auch das Immunsystem. Schließlich verhindern sie die Vermehrung von schlechten Bakterien und Pathogenen dadurch dass sie ihnen Platz und Nahrung beziehen. Ein interessantes Buch über Ernährung, Verdauung, Darmflora und ihr Zusammenhang mit dem Gehirn ist Wie neugeboren durch modernes Ayurveda: Zum Abnehmen und Entgiften von Kulreet Chaudhary.

Verlust der Darmflora

In den Industrieländern ist die Darmflora stark reduziert und man nimmt an, dass es genau deswegen zu den Epidemien von Adipostas, Diabetes und Autoimmunerkrankungen kommt. Dagegen Kulturen mit einem natürlicheren Lebensstill (z. B. in Indien) behalten ein viel breiteres Spektrum der Darmbakterien, das vergleichbar mit dem von unseren Vorfahren ist. Wir sollten sich also die Frage stellen: Was hat im Westen zum Verlust der Darmflora geführt?

Die Professoren der Stanford University, Justin und Erica Sonnenburg, listen in ihrem Buch Gut Reactions vier Hauptgründe auf:

  1. alarmierende, steigende Anzahl von Entbindungen durch Kaiserschnitt
  2. Abnahme der Anzahl von gestillten Kindern
  3. Konsum von stark industriell verarbeiteten Lebensmitteln
  4. übermäßiges Nutzen von Antibiotika

Alle obengenannten Faktoren tragen zu der Verschlimmerung der Gesundheit bei, indem sie die Darmflora reduzieren.

Wie kann man eine gesunde Darmflora wiederherstellen – Tipps

  • Falls Ihr Kind durch Kaiserschnitt geboren wird, besteht die Möglichkeit, ihn anhand eines vaginalen Abstriches mit den Bakterien der Mutter auf der Welt zu begrüßen. Trotzdem es ein bisschen komisch klingen kann, das Baby kommt dann mit den Bakterien ins Kontakt, mit denen es bei einer vaginalen Geburt normalerweise kommen würde. Mehr dazu: Der gute Darm von Justin & Erica Sonnenburg
  • Tun Sie das Maximum dafür, dass Sie Ihr Kind solange es geht stillen können. Es gibt nichts Besseres als die Muttermilch. Die enthält nämlich sowohl gute Bakterien als auch Prebiotika (Nahrung für die Darmbakterien) und trägt zu einem gesunden Immunsystem bei. Mehr dazu: Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ von Giulia Enders oder Das Stillbuch: Vollständig überarbeitete Neuausgabe von Hannah Lothrop
  • Essen Sie nur echtes Essen. Dieses Thema ist sehr breit, aber die Regel ist einfach: Essen Sie mehr Gemüse, kein Zucker, kein Weißmehl (eher Vollkorn-), kein bis wenig Alkohol und bereiten Sie so viele Gerichte wie möglich selbst zuhause. Als Nahrung für gute Darmbakterien gelten alle Lebensmittel mit viel Balaststoffen: Vor allem Gemüse, Linsen, Bohnen und andere Hülsenfrüchte, VollkornprodukteMehr dazu: Ein gutes Buch über Ernährung mit Verweisen auf zahlreiche wissenschaftliche Studien ist der Ernährungskompass: Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung von Bas Kast

Frische Gemüse

  • Lassen Sie sich Antibiotika nur im Notfall vorschreiben und wenn möglich, vermeiden Sie, dass sie gleich nach der Geburt Ihres Kindes eingezetzt werden. Viele Lebensmittel wie z. B. Knoblauch, Ingwer, Zwiebel usw. wirken als natürliche Antibiotika oder Antivirotika und zerstören dabei die guten Darmbakterien nicht.
  • Essen Sie fermentierte Lebensmittel mit guten Bakterien (Yoghurt, Kefir, fermentierte Gemüse…) und nutzen Sie Probiotika in Kapseln.

Ist die Darmflora Alpha und Omega unserer Gesundheit?

Bestimmt nicht. Manche Autoren begrenzen sich auf ein enges Gebiet, das sie gut kennen, und behaupten dann, dass es die ultimative Lösung aller gesundheitlichen Probleme ist. Das ist etwas kurzsichtig. Die Darmflora beeinflusst tatsächlich den ganzen Organismus und bei allen Beschwerden sollte sie entsprechend behaldelt werden. Jedoch gibt es eine Menge anderer Faktoren, die wir bei der einer oder anderer Erkrankung auch in Erwägung ziehen müssen: Lebensstil, Bewegung und Sport, Stress und Psyche, Toxine und Schadstoffe in der Nahrung und in der Umwelt usw.

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