Genetischer Hintergrund der Neurodermitis

Neurodermitis hat einen starken genetischen Hintergrund. In den letzten Jahren konnten mehrere, mit Neurodermitis assoziierte Gene identifiziert werden, die unter anderem an Aufbau und Funktion der Hautbarriere, an der epidermalen Proliferation sowie Differenzierung, am Fettstoffwechsel und an der Immun­antwort beteiligt sind.
Die Störungen in der epidermalen Barriere sind teils auf Mutationen (R501X und 2282del4) im Filaggrin-kodierenden Gen (FLG) zurückzuführen. Filaggrin ist ein essenzielles Strukturprotein des Stratum corneum (die oberste Schicht der Epidermis), das beim Verhornungsprozess der Haut in den Keratinozyten (hornbildenden Zellen) gebildet wird. Es hilft beim Aufbau (Zelldifferenzierung) der Epidermiszellen. Ein Mangel an Filaggrin, von dem in Europa etwa 10 % der Bevölkerung betroffen sind, verursacht schuppende, trockene Haut und führt zu einem dreifach erhöhten Risiko, an Neurodermitis zu erkranken. FLG-Mutationen sind der stärkste bislang bekannte Risikofaktor für Neurodermitis.
Eine gestörte Barrierefunktion ist dann eng verknüpft mit der im Zuge einer systemischen allergischen Reaktion auftretenden chronischen Immunaktivie­rung in der Haut. Es kommt zu Defekten der Immunregulation.
Die Genetik ist also eine wichtige Voraussetzung für Neurodermitis. Ist einer von den Eltern betroffen, erkrankt ein Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 30 %. Sind beide Eltern betroffen, liegt das Risiko bei 50 %. In der Regel kommt es schon im ersten Lebensjahr zum ersten Auftreten der Krankheit.

Wie der Lebensstil unsere Gesundheit beeinflußt und in unsere Gene eingeschrieben wird

Obwohl es jetzt wahrscheinlich so klingt, als könnte man gegen eine genetische Vorbelastung nichts tun, ist das Gegenteil der Fall. Eine relativ junge wissenschaftliche Disziplin, die sogenannte Epigenetik, beschäftigt sich mit Einflussfaktoren, die sich auf die Genexpression auswirken können. Viele von uns sind mit einer Prädisposition zu einer Krankheit geboren, jedoch nur manche erkranken auch tatsächlich. Es wird nämlich ein Reiz gebraucht, um das Gen zu de-/aktivie­ren. Das können z. B. Faktoren wie Ernährung, Chemikalien, Schwermetalle oder Radio­aktivität sein. Wir können unser Genom also nicht verändern, aber wir können beeinflussen, welche Gene sich de-/aktivie­ren und zum Ausdruck kommen. Diese Richtung der Wissenschaft steckt leider noch in den Kinderschuhen und bietet keine definitiven Antworten und Lösungen für Neurodermitis, aber es ist wichtig, dass wir realisieren, dass wir durch unsere Lebensweise die Expression (Äußerung) unserer Gene regulieren können.
Es ist auch interessant zu wissen, dass manche epigenetischen Veränderungen im Genom (d. h. die De-/Aktivierung eines Gens) sich noch (oder erst) in den nächsten 1–3 Generationen auswirken können. Wir vererben also nicht nur die gene­tische Struktur, sondern auch die De-/Aktivierung verschiedener Gene. Das heißt, dass alles, was wir essen, was wir unserem Körper zuführen und alle Umweltfaktoren, die auf uns wirken, in unser Genom „eingeschrieben“ werden. Auch wenn sich unsere Lebensweise nicht sofort in unserem Gesundheitszustand widerspiegelt, geben wir diese (epi-)genetische Information an unsere Kinder weiter.

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